Je vier Nominierte gibt es für den Pfalzpreis sowie den Nachwuchspreis für Musik, den der Bezirksverband Pfalz erstmals spartenübergreifend ausgeschrieben hatte und der mit 10.000 Euro beziehungsweise 2.500 Euro dotiert ist. Der Komponistin Siegrid Ernst wurde einstimmig der Lebenswerkpreis zuerkannt. Insgesamt lagen 50 Bewerbungen vor, von denen sieben wegen fehlenden Pfalzbezugs nicht juriert wurden. Zu den Nominierten des Pfalzpreises gehören Philipp Bölk, Prof. Sidney Corbett, Marc-Aurel Floros und Alexander Muno; für den Nachwuchspreis wurden noch einmal Philipp Bölk sowie Jonas Klamroth, Benjamin Scheuer und Friedrich Stockmeier nominiert.

Prof. Siegrid Ernst wurde 1929 in Ludwigshafen geboren und wuchs in einer sehr musikinteressierten Familie auf. Im Alter von sieben Jahren erlernte sie das Klavierspiel, später kam noch Violine dazu. Auch in Musiktheorie wurde sie schon frühzeitig unterrichtet. Nach dem Abitur erfolgte ein Musikstudium in Heidelberg, Frankfurt und Wien. Als Pianistin interessiert sie sich für die zeitgenössische Musik in Solo- und Kammermusikbesetzungen in zahlreichen Konzerten und Rundfunkproduktionen. Doch auch das Komponieren bildet einen Schwerpunkt ihres Schaffens, das Kammermusik für Streicher und Bläser, Klavierstücke, Liederzyklen, Kantaten, Orchesterwerke, Spielmusik für Kinder, eine Kinderoper und Improvisations- und Performancekonzepte umfasst. Sie wurden im In- und Ausland aufgeführt. Auch unterrichtete sie Musik in Heidelberg, Mannheim und Bremen, wo sie auch heute lebt. 1989 erhielt sie ehrenhalber den Professorentitel der Interamerican University of Humanistic Studies in Florida. Die Laudatio auf Siegrid Ernst bei der Pfalzpreis-Gala übernimmt der Generalmusikdirektor des Pfalztheaters, Uwe Sandner.

Philipp Bölk, 1987 in Weimar geboren, wuchs in einer musikalischen Familie auf und studierte Trompete an den Hochschulen für Musik in Detmold und Karlsruhe. Er lebt Komponist und Autor in Kaiserslautern und ist als stellvertretender Solotrompeter im Pfalztheater-Orchester tätig. „Der Baum Alp Traum“ ist ein musikalisches Märchen für Sprecher, Orchester und Alphornquartett und kann im Rahmen eines Familienkonzerts als Melodram mit Bildprojektionen aufgeführt werden; die Illustrationen lieferte seine Schwester Julia Fiedler. Es gelingt ihm, mit anspruchsvoller motivischer Arbeit und plastischer Lautmalerei seine spannende Geschichte zu erzählen. 1960 in Chicago geboren, studierte Sidney Corbett Philosophie, Musik und Komposition an der University of California, San Diego, und an der Hamburger Musikhochschule und promovierte 1989 an der Yale University in Komposition. Seit Mitte der 1980er Jahren lebt er überwiegend in Deutschland und ist seit 2006 als Professor für Komposition an der Musikhochschule Mannheim tätig; in der Pfalz führt er immer wieder Projekte durch. Seine Oper „San Paolo“ entstand nach einem unrealisierten Drehbuchfragment von Pier Paolo Pasolini und ist ein emotional gut geführtes, stringentes Werk mit formaler Klarheit, das konstruktivistisch anmutet.

Für die Stadt Kaiserslautern komponierte Marc-Aurel Floros 2017 für das Jubiläum der Reformation sowie der pfälzischen Kirchunion die symphonische Phantasie „Luther“, die durch das Pfalztheater-Orchester uraufgeführt wurde. Er wurde 1971 in Hamburg geboren und hat griechische Wurzeln. Er studierte in Lübeck und Hamburg Klavier, Komposition und Musikwissenschaft und lebt in Köln. Mit seiner Musik – von Solo-Werken über Kammermusiken bis zu Orchesterstücken – will er den Hörer emotional erreichen und Bilder entstehen lassen. Alexander Muno, 1979 in Saarburg geboren und dessen Großmutter aus Ludwigshafen stammt, studierte Musik und Theater in Saarbrücken, sodann Komposition an der Hochschule für Musik in Würzburg und daneben Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie, ebenfalls in Würzburg. Er lebt in Berlin. Seine Oper „Sogno d’un mattino di primavera“, differenziert und effektiv instrumentiert, ist ein formal interessantes und harmonisch reiches Werk mit farbiger und lebendiger Sprache, das eine breit gefächerte Klanglichkeit aufweist.

„Luther. Ein Mensch zwischen Gott und Teufel“ ist ein Rockmusical in drei Akten von Jonas Klamroth, zu dem Lea Siegfried das Libretto geschrieben hat. Es wurde 2017 als Höhepunkt des 500-jährigen Reformationsjubiläums in Speyer in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Landeskirchde der Pfalz aufgeführt. 1992 in Kaiserslautern geboren, studiert er Informatik in Karlsruhe. Benjamin Scheuer, 1987 in Henstedt-Ulzburg geboren, studiert zurzeit Komposition im Aufbaustudiengang an der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe. Er ist ständig auf der Suche nach skurrilen, merkwürdigen und phantasievollen Klängen. Bei seinem Zyklus der „Impulsiven Lieder“, den er während eines Stipendiats im Herrenhaus Edenkoben komponierte, steht die menschliche Stimme im Vordergrund, eingebettet in das Spannungsfeld zwischen Improvisation und exakt festgelegten musikalischen Ideen. 1988 im schweizerischen Baden geboren, studiert Friedrich Stockmeier Komposition und Neue Medien an der Musikhochschule Mannheim und wohnt bei seinen Schwiegereltern in Birkenheide im Rhein-Pfalz-Kreis. Er lebt in Garching bei München. Seine Komposition „RRR II“ ist ein Stück für drei Spieler (A-Klarinette, Synthesizer und Klavier mit Toypiano). Es entstand zwischen München und der Pfalz und setzt sein Stück „Riss Rille Rinne“, ein Auftragswerk zum Thema Heimat, fort. Bei der Pfalzpreis-Gala am Sonntag, 25. November, um 18 Uhr im Pfalztheater Kaiserslautern wird das Geheimnis um den Pfalz- und Nachwuchspreisträger gelüftet (Eintritt frei).