Verspäteter Weideauftrieb im Karlstal

Erstmals zehn Glanrinder als lebende Rasenmäher im Einsatz

Zwei Monate später als in den Vorjahren brachte das Hofgut Neumühle insgesamt zehn Glanrinder ins Karlstal bei Trippstadt, wo sie sich den Sommer über als Landschaftspfleger betätigen. Der Weideauftrieb hatte sich verzögert, da die Tiere zuvor gegen die Blauzungenkrankheit geimpft werden mussten und der Impfstoff nicht rechtzeitig zur Verfügung stand. Mit von der Partie ist wieder Kuh Mausi, die in den ersten drei Jahren im Karlstal das Sagen hatte, allerdings im WM-Jahr 2006 für ein Künstlerprojekt der Pfalzgalerie und im vergangenen Jahr wegen späten Mutterglücks auf den Weiden der Neumühle im Alsenztal bleiben musste. Die 13-jährige Leitkuh hat nicht nur ihre einjährige Tochter Mona Lisa mitgebracht, sondern auch ihr Kalb Odell, das im März zur Welt kam. Darüber hinaus wacht sie dieses Mal über sechs weitere Jungkühe und einen Jungochsen.

"Wir wollen durch die größere Zahl an Glanrindern den Weidedruck erhöhen, damit die Tiere sauberer als sonst die knapp sieben Hektar große Wiesenfläche abgrasen", erläutert Dr. Monika Reimann, stellvertretende Leiterin des Hofguts Neumühle des Bezirksverbands Pfalz. Die alte pfälzische Haustierrasse, die noch vor wenigen Jahren vom Aussterben bedroht war, soll nämlich "die Verbuschung des Tales verhindern, das aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit zu den touristischen Höhepunkten des Biosphärenreservats gehört". Und Monika Reimann fährt fort: "Das Modellprojekt, das seit 2003 läuft und anfänglich skeptisch beurteilt wurde, zeigt, dass die Glanrinder für solche Beweidungsprojekte durchaus geeignet sind."

Der Jungochse und einige der Jungkühe sollen sich in den kommenden Monaten an den frischen Gräsern laben, damit ihr zartes und wohlschmeckendes Fleisch im Herbst in den gastronomischen Partnerbetrieben des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen angeboten werden kann. "Das ist eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass man eine regionale Rasse erhalten kann, indem man ihr Fleisch auch auf den Speisezettel der Restaurants wiederfinden kann", erläutert Reimann und verweist auf die Aktionstage vom 17. bis 26. Oktober (Infos unter www.pfaelzerwald.de).

Die Blauzungenkrankheit, eine für den Menschen ungefährliche Tierseuche, trat erstmals vor knapp zwei Jahren in Deutschland auf. Stechmücken übertragen das Virus, das bei Wiederkäuern (Rindern und Schafen) Fieber und Ödeme infolge von Gefäßschädigungen hervorrufen kann. Nach einer europaweiten Ausschreibung für die Herstellung des Impfstoffs wird auch in Deutschland seit Mai dieses Jahres großflächig geimpft. Schaf- und Rinderhalter sind verpflichtet, ihre Tiere zu impfen.