Wem gehört die Farbe?

Ausstellung mit Werken von Rozbeh Asmani im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Colourmark: Rozbeh Asmanis „Lidl-Kreis“ von 2018, C-Print auf Clearfilm [Foto: Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln]

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1 (mpk), zeigt nahezu 100 Arbeiten des deutsch-iranischen Künstlers Rozbeh Asmani vom 27. Oktober bis 30. Dezember. Eröffnet wird die Ausstellung „Wem gehört die Farbe?“ am Freitag, 26. Oktober, um 19 Uhr durch Museumsdirektorin Dr. Britta E. Buhlmann und Kuratorin Jessica Neugebauer. Rozbeh Asmani, 1983 in Shiraz geboren, scheint sich auf den ersten Blick allein mit Farben und Formen zu beschäftigen. Der zweite offenbart, dass es um die Dokumentation von Farben, Farbkombinationen, Farbverläufen, Formen und auch Biopatenten, die für Konzerne markenrechtlich geschützt sind, geht. Das Museum Pfalzgalerie zeigt mit den 72 „Colourmarks“ die größte und bisher wichtigste Werkgruppe Asmanis. Daneben werden 17 weitere Druckgrafiken sowie neun Plastiken gezeigt, die die Thematik der Patente weiter ausführen.

Auf die Idee, Farbe patentieren zu lassen, kamen nicht nur Vertreter aus der Kunstwelt (Yves Klein, International Klein Blue – IKB, PB29, CI 77007), sondern auch Unternehmen, die ihre Marken mit bestimmten Farben verbunden wissen wollen. Die zunächst plausibel erscheinende Antwort auf die Frage des Ausstellungstitels, dass die Farbe niemandem gehört und damit von jedem genutzt werden kann, ist in der heutigen Markenwelt nicht haltbar. Hier liefern sich Firmen Rechtsstreitigkeiten darüber, wer nun welche Farbe verwenden darf und wer nicht. Dadurch, dass sich der Verbraucher daran gewöhnt hat, Marken nicht nur mit Logos oder Slogans zu verbinden, sondern auch mit Farben und Formen, haben Konzerne – neben dem Schutz vor Fälschungen – ein großes Interesse daran, diese patentieren zu lassen. Längst hat sich in unserem Sprachgebrauch das Telekom-Magenta, das Milka-Lila oder das Aral-Blau durchgesetzt. Auch Formen („3D-Marken“/„Warenformmarke“) werden geschützt, um einen Wiederkennungswert des Produkts zu gewährleisten. Der Leibniz-Keks, der Zwieback, das Überraschungsei – Rozbeh Asmani zeigt hier in Bronze gegossene Beispiele. Erweitert wird das Thema der Patente mit „Chrysanthemen“. In Amerika sind, durch ein wegweisendes Urteil des US-Supreme Court, dass „alles unter der Sonne von Menschenhand Erschaffene“ patentierbar ist, auch Pflanzensorten schutzrechtsfähig. Über 2.000 Chrysanthemensorten sind bereits patentiert worden.

Seine künstlerische Ausbildung begann Asmani an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Dort sammelte er 2009 für seine Abschlussarbeit erste Erfahrungen mit dem Farbmarkenschutzgesetz. Er entwarf eine im Tschador „verhüllte“ Schokoladenfigur, „Shirin“ (2009), und ließ sie in einer Stückzahl von 3.000 Exemplaren industriell fertigen. Ursprünglich sollte die Schokolade mit einer lilafarbenen Verpackung umwickelt werden. Da aber ausschließlich der Konzern Kraft Foods Schweiz Holding für die Schokoladenware „Milka“ das Privileg hat, seine Produkte mit einer lilafarbenen Verpackung zu gestalten, wurde der Entwurf farblich modifiziert. Das industriell besetzte Lila wurde durch einen unmarkierten Blauton ersetzt. Asmani sah seine künstlerische Freiheit beschnitten und wollte mehr über die „abstrakten Farbmarken“ erfahren. Daraufhin hat er alle angemeldeten Farbmarken recherchiert. So entstand die Idee für seine „Colourmarks“ (2012-2017), die bis heute umfassendste Werkserie des Künstlers. Sie zeigt abstrakte Farbtafeln, die für industrielle Großfirmen geschützt sind, um sich von anderen Produkten oder Dienstleistungen unterscheiden zu können. In seinem Künstlerbuch „Rozbeh Asmani – 72 Colourmarks“ (2017) hat er die Recherchen zusammengetragen. Im Kunstraum können die auf die Farbe reduzierten Drucke in ihrer puren Farbigkeit wirken. Hinter der zunächst abstrakt wirkenden Bildsprache steht dementsprechend ein komplexer Zusammenhang von Farbe, Macht, Konkurrenzkampf und Identität.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft, das einen Einführungstext zum Künstler und eine Liste der ausgestellten Werke beinhaltet. Weiterhin liegen „Rozbeh Asmani – Immateriell“ (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Werner Klein, Köln, 2.6.-7.7.2018) sowie zur Ansicht „Rozbeh Asmani – 72 Colourmarks“ vor. Die Publikation „Immateriell“ ist zum Preis von acht Euro an der Museumskasse zu erwerben. Die Publikation „72 Colourmarks“ kann über das Museum zum Preis von 70 Euro bestellt werden.